Marikke Heinz-Hoek: Es wird gewesen sein

So., 04.11.18 - So., 13.01.19

Das Syker Vorwerk widmet dem vielschichtigen Werk der Bremer Künstlerin Marikke Heinz-Hoek eine umfangreiche Einzelausstellung über die Themen Landschaft und Erinnerung, das Erzählen und Erforschen von Geschichten und Heimat, Menschen und Tieren.
Formale Grenzüberschreitungen sind kennzeichnend für die Arbeitsweise Heinz-Hoeks: Videos, Fotografien, Installationen bis hin zu Zeichnungen und Malerei arrangiert sie zu thematisch verbundenen Gesamtkunstwerken.

Marikke Heinz-Hoek, Stardust 7, Zeichnung auf NASA-Foto, C-Print, 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Marikke Heinz-Hoek, Stardust 7, Zeichnung auf NASA-Foto, C-Print, 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Marikke Heinz-Hoek, Sinnendes Pferd, Video, 2012 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Marikke Heinz-Hoek, Sinnendes Pferd, Video, 2012 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Marikke Heinz-Hoek, Motion Picture, Video, Loop, 2017 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Marikke Heinz-Hoek, Motion Picture, Video, Loop, 2017 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Mensch, Landschaft und Vergänglichkeit sind nach eigener Aussage die wichtigsten Themenbereiche der Künstlerin, in denen sie ihre Bildsprache findet. Sich einlassen auf einen bestimmten Ort zu einem (un-)bestimmten Zeitpunkt ist die Art und Weise, wie die Künstlerin sich mit Landschaft auseinandersetzt. Dabei spielen die Ruhe, das Verweilen, das langsame Sehen und der kontemplative Blick nicht nur beim Betrachter, sondern bereits im ersten Schritt beim Entstehen die wichtigste Rolle.
Am Anfang des künstlerischen Schaffensprozesses steht für Heinz-Hoek zumeist das Sammeln und Archivieren von Bildmaterial: zeitgeschichtliche Dokumente, Fotos oder Videofilme. Dann bearbeitet sie das Material weiter und unterzieht es einem künstlerischen Prozess der Verdichtung, teils analog durch Zeichnungen, aber zumeist am Computer bzw. kombiniert beide Methoden.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Marikke Heinz-Hoeks Arbeiten aus mehr als zwanzig Jahren Schaffenszeit, wobei der Schwerpunkt auf den aktuellen Arbeiten der letzten Jahre liegt. 2018 entstand für die Syker Präsentation sogar eine ortsspezifische Videoarbeit mit dem Titel „Syker Walden“ der in der Vorbereitungszeit im Syker Vorwerk von der Künstlerin im angrenzenden Waldgebiet „Friedeholz“. Mit ihrem Film verknüpft Heinz-Hoek Textfragmente aus der Aussteigerlektüre „Walden – Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau aus dem Jahr 1854 mit den Eindrücken eines Waldbesuches im Vorfrühling 2018, die sie erstmalig mit einem Smartphone gefilmt hat. Entstanden ist ein „Memento mori“ in Form eines mit Brüchen durchzogenen Postulats an ein Leben in Übereinstimmung mit der Natur.

Neben den Film- und Videoarbeiten, die seit Mitte der 1980er Jahre einen großen Teil ihres Œuvres ausmachen, sind der wichtige Aspekt ihres Werkes die Zeichnungen. Bis heute sind die Landschaftsbilder meist aus dem Gedächtnis geschaffene Stimmungsbilder mit wenigen, pointiert gesetzten schwarzen Strichen auf Bildträgern aller Art. Die neueste Werkserie, die seit 2015 entsteht, ist die Reihe „STARDUST“. Hierbei handelt es sich um Landschaftszeichnungen der Künstlerin auf Weltraumfotos der NASA. Die Künstlerin macht sie sich zu eigen, indem sie sie wiederum als Stimmungsträger ihrer norddeutschen Landschaftstypen verwendet. Die Atmosphäre, die durch die Weltraumaufnahmen entsteht, ist dramatisch, bedrohlich und bisweilen erscheint sie apokalyptisch. Gezeigt werden die Zeichnungen als C-Prints, die die bedeutungsvolle, erhabene Stimmung durch ihr großes Format unterstreichen.

Auch der Titel der Ausstellung „Es wird gewesen sein“ – eine Aussage im grammatikalischen Tempus Futur II, die vollendete Zukunft – ist als Hinweis auf die künstlerischen Motive von Marikke Heinz-Hoek zu verstehen. Die Behauptung „Es wird gewesen sein“ weist einen ganz klaren Bezug zum Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft auf.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museumsquartier Osnabrück.
Dort sehen Sie vom 16. September 2018 bis 13. Januar 2019 die gleichnamige Ausstellung mit anderen künstlerischen Schwerpunkten.

Die Ausstellung wird gefördert durch den Landschaftsverband Weser-Hunte e.V. mit Mitteln des Landes Niedersachsen und die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung.