Hella Berent

EMPTY VOID | Archäologie des Bewusstseins

22.02.2026 - 17.05.2026

Hella Berent, Japan-appearence, 2025, 122 x 86 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Guido Schiefer
Hella Berent, Echoes of Love in July, 2025 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Guido Schiefer
Hella Berent, DIE STELLE II, 2026, Ensemble (Crown Head II, 2024 / Collection Dirty Hair / Sinnkörper I, 2025 / Boule, 2014 / Lederfelle / Messingtisch) © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Hella Berent, Ägyptische Zunge, 2026, Installation © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Hella Berent, November Twilight Room I, 2025, Gouache auf koreanischem Hanji Papier / Die Sprache im Wind 2023, Keramik, Arabic Scripture © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Hella Berent, TWILIGHT, 2026, Keramik, Japanese Scripture © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Mit EMPTY VOID – Archäologie des Bewusstseins präsentiert das Syker Vorwerk das vielschichtige Werk von Hella Berent. Seit den 1970er Jahren entwickelt die Künstlerin eine konsequente Erweiterung der Zeichnung in den Raum. Aus Linien entstehen Installationen, Keramikskulpturen, Fotografien und Arbeiten auf Papier, in denen Material, Körper und Raum eng miteinander verbunden sind.
 
Der Ausstellungstitel EMPTY VOID bleibt bewusst unübersetzt. Während „Leere“ im Deutschen als Mangel verstanden wird, meint „void“ eine offene Weite. Leere ist hier kein Nichts, sondern Möglichkeit – ein Raum, der sich erst im Erleben entfaltet.

Der Untertitel Archäologie des Bewusstseins verweist auf das Freilegen von Schichten: Viele Arbeiten verbinden aktuelle Positionen mit frühen Werken und machen biografische wie kulturelle Spuren sichtbar.
Zentraler Ort der Ausstellung ist die Installation Ägyptische Zunge im Untergeschoss des Syker Vorwerks. Ausgangspunkt ist das Jahr 1979 – der Tod des Vaters und eine Reise nach Kairo. Fotografien, gebrannter Ton, eine Landkarte des Mittleren Ostens, Eisenkästen, Quarzsand und Teppiche verdichten sich zu einem Raum zwischen Dichte und Leere. Die Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser sind hier unmittelbar erfahrbar – im Material, im Brennprozess, im Hohlraum der Formen und im Bild des Mittelmeers. Geschichte wird nicht erzählt, sondern atmosphärisch spürbar.

Eine Arbeit im Obergeschoss knüpft an eine frühere Ausstellung Die Stelle (1981) an. An der Wand erscheinen eigene Haare der Künstlerin. Sie wirken wie Schriftzeichen – unlesbar und doch bedeutungstragend. Das Haar wird zur Zeichnung, zur Spur von Zeit und Biografie. Persönliche Geschichte materialisiert sich als Zeichen.

Schrift und Sprache spielen in der gesamten Ausstellung eine zentrale Rolle. Fotografien aus Japan zeigen Schrift als Bild. In der zweifarbigen Skulptur Twilight sind japanische Schriftzeichen eingeschrieben. Auch Gedichte, die ins Arabische übertragen wurden, erscheinen auf Plastiken. Sprache wird hier nicht erklärt, sondern sichtbar und erfahrbar gemacht.

Die Gouachen der Jahre 2019 bis 2026 auf Papieren aus Japan, Korea und China zeichnen sich durch eine besondere Leichtigkeit und Konzentration aus. Silber, Gold, Magenta, Schwarz und Blau setzen prägnante Akzente. Das Blau ist in Berents Werk zentral – nicht dekorativ, sondern raumbildend. Es erinnert an Horizont, Meer und Weite und Transzendenz.

Berents künstlerische Praxis ist geprägt von Aufenthalten in Italien, Ägypten, Indien, Iran, der Türkei, den USA und Japan. Diese transkulturellen Erfahrungen erscheinen nicht als Zitat, sondern als Teil eines kontinuierlichen künstlerischen Prozesses.

Hella Berents Werk ist besonders relevant, weil es transkulturelle Perspektiven eröffnet und die Verbindung von sinnlicher Materialität mit poetischem Denken über Wahrnehmung, Raum und kulturelle Identität erlebbar macht. In einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung zeigt die Ausstellung, wie Kunst Verständigung über Differenzen hinweg ermöglichen kann – über Sprachen, Kulturen und Weltbilder hinweg.

Hella Berent wurde 1948 in Thedinghausen geboren, wuchs in Bremen auf und lebt und arbeitet heute in Köln sowie international.

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